Warum Achtsamkeit

- und was ist das überhaupt?

Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit absichtlich

auf den gegenwärtigen Moment zu lenken

und sich der Erfahrung

- sei sie eine körperliche, emotionale oder mentale -

gewahr zu werden,

ohne sie zu bewerten.

Achtsamkeit ist eine angeborene Fähigkeit, die jeder Mensch hat. Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewusst oder haben Schwierigkeiten diese Fähigkeit im Alltag zu nutzen. Man kann die Achtsamkeit aber wieder erlernen und gewinnt dadurch einen friedlichen, liebevollen und akzeptierenden Umgang mit sich selbst, mit den Mitmenschen und den Ereignissen des Lebens gegenüber. Die Übung der Achtsamkeit kann erholsame Entspannungszustände bewirken, zu großer innerer Ruhe verhelfen und zu tiefen Einsichten in die eigene Weisheit führen.

 

 

"Achtsamkeitsmeditation ist das nicht wertende Wahrnehmen der Dinge, so wie sie sind, im Hier und Jetzt. Es geht darum, mit dem, was gerade passiert, in Kontakt zu sein und nicht, wie sonst so oft im Alltagsleben, ständig in Gedanken und Beurteilungen abzudriften. Und es geht darum, sich mit den Dingen vertraut zu machen, so wie sie gerade sind. Sie also einfach nur wahrzunehmen, ohne gleich mit Ablehnung oder einem Haben-wollen zu reagieren. Das Ziel ist, mehr von dem wahrzunehmen, was im Augenblick ist und wie es einem selber damit geht. Auf diese Weise gewinnt man Spielraum, um eine Reaktion auf eine bestimmte Situation aus einem größeren Repertoire auszuwählen, da man mehr von der Gesamtsituation gesehen hat und nicht gezwungen ist, einfach nur blind zu reagieren."

Britta Hölzel, Neuropsychologin, Charité Berlin

 

Lit: http://www.arbor-verlag.de/wenn-das-gehirn-meditiert

 

Automatisches Denken, Fühlen, Handeln...

 

Im Laufe des Lebens haben wir durch viele Erfahrungen immer festere Vorstellung von den Dingen gewonnen. Wir haben Muster entwickelt, mit denen wir auf bestimmte Impulse von außen oder von innen reagieren. Diese Reaktionen haben immer emotionale, mentale, körperliche und verhaltensspezifische Konsequenzen, doch selten sind wir uns darüber bewusst, was in uns vorgeht. Oft reagieren wir automatisch und laufen wie auf “Autopilot”, anstatt angemessen oder so wie wir es eigentlich möchten auf die Impulse zu antworten.

 

Stimulus → Reaktion

Stimulus → Achtsamkeit → Antwort

 

Dieses automatische Denken, Fühlen und Handeln kann zur Folge haben, dass wir uns oft mit uns selbst nicht wohl fühlen, dass wir unglücklich oder sogar verzweifelt sind, dass wir gestresst und überfordert sind, dass unser Körper krank wird, dass wir Süchte haben oder nervöse Angewohnheiten, dass wir unser Herz vor unseren eigenen Gefühlen verschließen oder uns nicht trauen, es vor anderen zu öffnen, dass wir uns selbst nicht mehr lieben und achten, da uns der Kritiker im Geiste den ganzen Tag unsere angebliche Unvollkommenheit vorhält. Viele Menschen leiden dauerhaft unter Stress, Depression und Krankheit. Durch die achtsame Haltung kann man diesen Dingen mit mehr Gleichmut begegnen und findet so neue Freude am Leben.

Im Grunde geht es darum, sich immer wieder selbst daran zu erinnern, im Moment, in der Gegenwart zu sein. So oft sind wir gedanklich in der Vergangenheit oder in der Zukunft, erinnern uns oder planen. Das ist ok. Aber gleichzeitig wollen wir ja präsent sein, im Hier und Jetzt leben und nicht in der Vergangenheit. Wir wollen uns selbst, unseren Mitmenschen frei von diesen Beeinflussungen in der momentanen Situation begegenen können. In der Realität sieht es aber oft anders aus. Wir leben mit viel Konflikten, haben Ängste, Wut oder Ärger, Negativität, Schuldgefühle, Ungeduld und Genervtheit, die mit der momentanen Situation gar nicht so viel zu tun haben.


Weil der Verstand immer wieder auf bereits gespeicherte Informationen zugreift, wiederholen sich Gedanken, Emotionen und Erfahrungen. Die Achtsamkeit wirkt dem entgegen, da dem "Autopilot" des Verstandes eine beobachtende Instanz zur Seite gestellt wird. Dieser "Beobachter" sieht sich an, was ist. Er lässt es so wie es ist. Er bewertet und urteilt nicht. Der Beobachter ist annehmend und akzeptierend, ganz gleich, ob die Erfahrung als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Auf diese Weise können wir mit uns selbst und im Miteinander "antworten" anstatt nur zu "reagieren".

 

Es geht also bei der Achtsamkeitspraxis gar nicht darum, dass man etwas ändern soll, im Gegenteil, man akzeptiert, was gerade ist. Die Veränderung kommt ganz von allein, auf wahrlich wundersame Weise.

Denn diese bewusste Wahrnehmung der eigenen Gedanken, Gefühle, und nicht zu vergessen auch aller körperlichen Befindlichkeiten, führt zu Bewusstheit, führt zu innerem Frieden und einem starken Selbst. Sie hilft durch Stresszeiten, durch depressive Stimmungen und durch Krankheit, durch Beziehungskrisen und Panikattacken, sich wiederholende Konflikte mit den eigenen Eltern, dem Chef, den Kollegen – oder wo man sonst noch so kämpfen könnte.

In den USA ist mindfulness schon seit längerem ein Thema: Unternehmen organisieren Seminare für ihre Mitarbeiter, in Kliniken durchlaufen Patienten das MBSR-Programm (Mindfulness Based Stess Reduction) und in immer mehr Schulen werden die Kids in der achtsamen Wahrnehmung geschult. Die Achtsamkeits-Welle ist nun auch bei uns angekommen. Yoga hat es bereits aus der Eso-Ecke ins Wellnessprogramm geschafft, Meditation zieht ganz langsam nach.

 

Die Praxis der Achtsamkeit ist nichts Esoterisches, nichts Religiöses, nichts psychologisch Manipulierendes oder Therapeutisches. Und sie ist auch kein Modetrend, den man mal so mitmacht. Sie ist ein universelles Geistestraining, eine Geisteshaltung, die für alle Menschen zugänglich und erlernbar ist.

 

Sarina, Februar 2012

The monkey mind

 

Unser Geist ist voller Wissen, Erinnerungen und Philosophien, aber wir finden kaum Ruhe und Frieden, weil wir permanent mit Denken beschäftigt sind, sogar wenn wir ausruhen oder schlafen wollen.

 

Viele Lehrer beziehen sich hier auf das Phänomen des 'monkey-mind', weil unser Geist ähnlich wie ein Affe ist, der sich von Ast zu Ast schwingt, eine Frucht sammelt, sie wieder fallen lässt und schon zum nächsten Baum springt. So wie dieser Affe springt unser Geist von Gedanke zu Gedanke. Wir werden nicht verhindern können, dass dies passiert, denn es ist die Natur des Geistes dies zu tun so wie es die Natur des Äffchens ist, von Ast zu Ast zu springen.

 

Durch die Achtsamkeit lernen wir unseren Geist kennen, beobachten ihn, wie er springt, wohin er springt und wo er sich gerne länger aufhält. Auf diese Weise erfahren wir Vieles über uns selbst und das Menschsein. In der Meditation üben wir dies ganz konzentriert, im Alltag bemühen wir uns, immer wieder innezu-halten und zu schauen, wo und wie das Äffchen gerade herumturnt.

 

 

Veränderungen durch die Achtsamkeit

 

Durch die Praxis der Achtsamkeit finden wir zu innerem Frieden und Glück, ganz unabhängig davon, wie unser Leben sich gerade gestaltet oder wie unsere Lebensgeschichte verlaufen ist. Wir lernen die vielen Vorurteile abzubauen, die uns beschränken. Wir lernen wieder offener zu werden. Wir lernen im Hier und Jetzt zu sein anstatt uns ständig in Vergangenheit und Zukunft zu verlieren.

 

“Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht. Das notwendigste Werk ist stets die Liebe.” Meister Eckhart

 

Ein klarer Geist ist kreativ und erkennt, wie vielfältig die Sichtweisen und Möglichkeiten sind, die in jedem Moment neu eröffnet werden. Ein weites, offenes Herz hat Raum für alle aufkommenden Gefühle und entwickelt tiefe Liebe und Akzeptanz, Mitgefühl und Toleranz.

 

Achtsam gewinnen wir wertvolle Kompetenzen für den Umgang mit unseren Mitmenschen, mit unserem Partner, unseren Kindern, unseren Eltern. Denn dadurch, dass wir in besserem Kontakt mit uns selbst sind, uns besser kennen, spüren, auf uns hören, uns vertrauen, fällt uns der Umgang mit den anderen leichter. Die Kommunikation verändert sich und so können die sozialen Beziehungen konflikfreier gestaltet werden. Sie können näher, intensiver, authentischer werden.

 

Sarina, November 2012